welche Ziele verfolgt Deutschland mit Künstlicher Intelligenz (KI)? Wie hält die Wirtschaft im globalen Wettbewerb mit? Und wer sorgt dafür, dass der Wandel nicht an den Beschäftigten vorbeigeht? Die KI-Roadmap der Hightech-Agenda Deutschland der Bundesregierung gibt auf diese Fragen eine Antwort. Sie wurde am 20. Mai 2026 im Kabinett vorgestellt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) federführend mitgestaltet.
Mit der KI-Roadmap soll die Diffusion von KI in Unternehmen und Arbeitswelt gezielt vorangetrieben und insbesondere der Anteil an KMU erhöht werden, die KI einsetzen. Erklärtes Ziel ist, dass bis 2030 ein Zehntel der Wertschöpfung KI-basiert erwirtschaftet wird. Zentral sind zudem der Aufbau von KI-Kompetenzen bei den Beschäftigten sowie der Erhalt und die Schaffung guter Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen durch breite Teilhabe und Mitbestimmung.
In seiner kürzlich veröffentlichten Enzyklika betont Papst Leo XIV genau diese Fragen in Bezug auf KI und Arbeit: Arbeit ist mehr als ein wirtschaftlicher Faktor, sie ist Ausdruck menschlicher Würde und sozialer Teilhabe. Deshalb fordert der Papst klare ethische und politische Regeln für den Einsatz von KI, denn KI könne den Menschen entlasten, dürfe aber nicht allein zur Kostenreduzierung und zum Abbau von Arbeitsplätzen eingesetzt werden. Auch die diesjährige re:publica hatte mit dem Motto „Never gonna give you up“ den Anspruch, bei allem Fortschritt nicht den Menschen aus den Augen zu verlieren. In ihrer Session am 19. Mai erläuterte Bundesministerin Bärbel Bas, dass Künstliche Intelligenz vor allem den Job‑Umbau statt den Job‑Abbau vorantreibt. Die notwendige Transformation von Arbeitswelt, Staat und Gesellschaft kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie verantwortungsbewusst und nachhaltig geschieht. Dafür ist entscheidend, dass Unternehmen KI stets gemeinsam mit den Beschäftigten einsetzen – nie gegen sie. Qualifizierung und Mitbestimmung sind daher zentral, aber auch der Staat steht in der Pflicht: Er muss seine Leistungen konsequent digitalisieren, wie es die Vorschläge der Kommission zur Sozialstaatsreform vorsehen.
Ebenfalls auf der re:publica thematisierte Katja Mast, Parlamentarische Staatssekretärin im BMAS, eine Frage, die selten gestellt wird: Wer steckt eigentlich hinter modernen KI-Systemen? Gemeinsam mit Joan Kinyua, Präsidentin der Data Labelers Association Kenya und ehemalige Datenannotatorin, sowie der Digitalisierungsexpertin Julia Kloiber diskutierte sie, warum technologischer Fortschritt nicht zulasten derer gehen darf, die KI-Systeme trainieren oder Plattformen moderieren und digitale Innovationen für Nutzer*innen damit überhaupt erst zugänglich machen. Mast betonte: Deutschland und Europa müssen klare Standards bei Plattformarbeit, Beschäftigtenschutz und psychischer Gesundheit entlang globaler digitaler Wertschöpfungsketten setzen.
Wie steht es eigentlich mit den KI-Kompetenzen in der Zivilgesellschaft? Unsere ressortübergreifende Initiative Civic Coding (mit BMBFSFJ, BMUKN und BMDS) war dazu mit zwei Sessions auf der Digitalkonferenz vertreten. Anhand der neuen Kurzstudie wurde beleuchtet, welche KI- und Datenkompetenzen gemeinwohlorientierte Organisationen bereits haben, welche Lern- und Austauschformate funktionieren und welche Voraussetzungen es braucht, damit Wissen und Erfahrungen organisationsübergreifend wirksam geteilt werden. In der zweiten Session stellten Organisationen aus der Zivilgesellschaft konkrete praxisnahe Herausforderungen (sog. Challenges) vor, die sie im Tandem mit Tech-Teams lösen möchten. Den Rahmen für die Entwicklung konkreter KI-Lösungsansätze für die Challenges bietet der Civic Coding-Accelerator 2026, der nun gestartet ist.
Das Team der Abteilung Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft wünscht Ihnen eine informative Lektüre.