selten wurde die Zukunft der Arbeit so intensiv diskutiert wie heute. Kürzlich debattierten Wirtschaftsnobelpreisträger Daron Acemoğlu, KI-Experte Ethan Mollick und weitere Fachleute im New York Times Magazine, wie sich Beschäftigte auf den immer weiter zunehmenden KI-Einsatz in der Arbeitswelt vorbereiten können. Auch die diesjährige Konferenz des Weizenbaum-Instituts in Berlin beschäftigte sich mit den gesellschaftlichen Folgen generativer KI und ihrer Integration in Arbeit und Wissensproduktion.
Ein zentrales Ergebnis solcher Debatten, die erfreulicherweise immer differenzierter werden: Die Zukunft der Arbeitswelt ist kein Automatismus – weder im Sinne vollständig automatisierter, menschenleerer Fabriken noch im Sinne einer bereits heute feststehenden Entwicklung. Vielmehr sind Wertschöpfung und Produktivitätsgewinne nicht ohne die Beschäftigten denkbar; deshalb sind KI-Kompetenzen für die berufliche Zukunft unerlässlich. Welche konkreten Auswirkungen KI hat, entscheidet sich nicht durch die Technologie selbst, sondern durch ihren Einsatz. Genau deshalb braucht es neben technologischer Innovation immer auch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang ist es ein wichtiger Schritt, dass der Bundestag in der vergangenen Woche das Gesetz zur Durchführung der KI-Verordnung beschlossen hat. Damit werden zügig klare behördliche Zuständigkeiten für die Durchführung der KI-Verordnung geschaffen und Ansprechpartner*innen bestimmt, die den Unternehmen wichtige Orientierung geben können.
Worauf es bei der Zusammenarbeit von Mensch und KI ankommt, zeigt das neue Kurzdossier von ai:conomics, einem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderten Forschungsprojekt der Universität Maastricht, das Evidenz direkt aus der betrieblichen Praxis auswertet. Die Ergebnisse: KI kann Produktivität und Qualität steigern, insbesondere bei weniger erfahrenen Beschäftigten, ist jedoch kein Selbstläufer. Erfolgreicher KI-Einsatz setzt voraus, dass Anwendungen an konkrete Aufgaben und Prozesse angepasst und Beschäftigte dazu befähigt werden, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen. Zugleich verändert KI bislang Arbeit eher, als dass sie sie verdrängt: Während Routine-Aufgaben an Bedeutung verlieren, gewinnen Bewertung, Kontrolle und Einordnung von KI-Ergebnissen an Gewicht. Mit agentischer KI dürfte sich dieser Wandel weiter beschleunigen. Ob die KI-Einführung gelingt, entscheidet sich deshalb weniger an der Technik als an transparenter Führung, der Beteiligung der Beschäftigten und dem Aufbau entsprechender Kompetenzen. Mehr dazu im Interview mit Forschungsleiterin Dr. Marie-Christine Fregin.
Wie KI Arbeit und Gesellschaft verändert, wird auch auf dem diesjährigen Tag der offenen Tür der Bundesregierung in Berlin Thema sein: Am 20. und 21. Juni lädt das BMAS alle Interessierten zu Einblicken in und zum Austausch über unsere Arbeit auf den Zietenplatz ein. Am 20. Juni um 13 Uhr können Sie mit Staatssekretär Dr. Michael Schäfer über die Transformation der Arbeitswelt durch Digitalisierung und KI diskutieren, am Stand der Abteilung Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft zeigen drei Civic Coding-Projekte, wie KI am Arbeitsplatz und im Alltag unterstützen kann: Das umfasst ein Konflikttraining mit VR und KI, einen Roboter zum Selberbauen, der junge Menschen für das Thema interessieren soll, und einen autonomen Malerroboter, der Handwerker*innen unterstützt. Sie stehen exemplarisch dafür, was entsteht, wenn Gemeinwohl auf Tech-Expertise trifft. Wir würden uns freuen, Sie auf dem Tag der offenen Tür an unserem Stand zu begrüßen!
Wer KI zur Lösung konkreter gesellschaftlicher Herausforderungen selbst aktiv voranbringen möchte, hat im Civic Coding-Accelerator 2026 die Möglichkeit dazu: Hier erarbeiten zivilgesellschaftliche Organisationen gemeinsam mit Tech-Teams drei Monate lang eine gemeinsame KI-Lösung für einen praxisnahen Anwendungsfall. Bis zum 31. Juli können Sie sich auf die ausgeschriebenen Challenges bewerben.
Darüber hinaus ist auch das zweite Angebot der Initiative, die Civic Coding-Projektberatung, gestartet: Bis zum 31. Juli 2026 können sich zivilgesellschaftliche Organisationen, Kommunen sowie mit diesen kooperierende KMU und Start-ups auf bis zu 45 Stunden kostenlose Fachberatung zu KI, Daten, Strategie & Organisation sowie AI-Literacy & Governance bewerben.
Das Team der Abteilung Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft wünscht Ihnen eine informative Lektüre.